# Das Buch

THE GREAT HIMALAYA TRAIL

1864 Kilometer Trailrunning durch eine bedrohte Welt in Nepal

Der Journalist und Ultramarathon-Läufer Peter Hinze ist die Strecke von über 1.860 Kilometer quer durch Nepal gelaufen. Von diesem unvergleichlichen Laufabenteuer von der Grenze Indiens bis an die Tore Chinas, vor allem aber von seinen Begegnungen mit den Menschen am Trail, ihren Traditionen, Hoffnungen und Ängsten um eine ungewisse Zukunft berichtet er in diesem Buch. Hinze gibt Einblick in die Situation der einzigartigen Bergregion und seiner Bewohner, die sich den Herausforderungen des Klimawandels, von Zivilisation und Straßenbau, den immer noch sichtbaren Nachwirkungen vergangener Erdbeben und geopolitischen Machtinteressen seiner Nachbarn stellen müssen. In Interviews erzählen die Menschen vor Ort, welchen Wandel die Himalayaregion vollzieht und wie sie ihr Leben unter extremen klimatischen und topografischen Voraussetzungen meistern.

Für alle Trail begeisterten Läufer liefert Hinze viele praktische Reisetipps von der Planung bis zur Ausrüstung inklusive einer kurzen Beschreibung seiner Tagesetappen.

Das Buch erscheint im Knesebeck Verlag in München, der einen erstklassigen Ruf für ästhetisch hochfertige Fotografie besitzt. Zudem ist das Buch auf hochfertigem Papier gedruckt und stellt somit ein herausragendes Buch über Nepal und die Landschaft des Himalayas dar.

Peter Hinze

The Great Himalaya Trail

1864 Kilometer Trailrunning durch eine bedrohte Welt in Nepal

Gebunden, 288 Seiten, mit 200 farbigen Abbildungen, Preis € 35,- [D] 36,- [A]

ISBN 978-3-95728-137-1, Erscheinungstermin 10. Oktober 2018

Zum Abdruck freigegebenes Interview mit Peter Hinze zu

„The Great Himalaya Trail“

Herr Hinze, mit über 1800km und 95K Höhenmetern ist der Great Himalaya Trail der längste und wahrscheinlich anstrengendste Trail der Welt. Weniger als 100 Menschen haben diese Strecke bisher komplett absolviert. Sie sind sie in 87 Tagen gelaufen – wie kommt man auf so ein Vorhaben?

Es braucht zwei Zutaten, mehr nicht: Ich liebe die Berge, ich liebe den Himalaya und seine Menschen. Und ich laufe gern und lang, also bevorzugt als Trailrunner in den Alpen. Damit steht die Kombination. Es ist doch großartig, wenn man zwei Vorlieben in einem Projekt verbinden kann. Ein Jahr Planung war dem Start vorausgegangen. Aber ich muss auch sagen: Wenn man dann wirklich den ersten Schritt macht, ist der Respekt enorm. Es geht wohl nur, wenn man nicht zu viel überlegt, sondern einfach dem Motto folgt: Mach es!

 

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Projekt und was treibt Sie an?

Es gibt keinen Zweifel: Dem Himalaya droht ein ähnliches Schicksal wie den Alpen. Klimawandel, Verlust von Jahrhunderte alten Traditionen, Abwanderung der jungen Bevölkerung, Vordringen der Zivilisation und die Schließung vieler Klöstern, all dies bedroht die Zukunft des Gebirgszuges. Mein Lauf war nicht nur ein sportliches Abenteuer, es war in erster Linie eine Art Abschied vom Mythos Himalaya. Wir im Westen sehen gern den alten Mönch in seinem Kloster im Schein der Butterlampe seine Gebetsmühle drehen. Diese Bilder sind nur noch etwas für Romantiker. Die Menschen in den teils extrem abgelegenen Regionen wollen keine Butterlampe. Sie wollen Elektrizität. Sie wollen keine Yak-Karawane, sie wollen eine vernünftige Straße. Sie wollen keinen Laufboten, der Briefe bringt. Sie wollen Internet. Doch damit

gerät auch das traditionelle Leben in Gefahr. Mein Buch lässt die Menschen mit ihren Problemen zu Wort kommen. Und es zeigt ein Leben, was es schon bald nur noch in unserer Erinnerung geben wird. Der Wandel im Himalaya ist dramatisch. Ja, der Himalaya ist scheinbar eine weit

Wann waren Sie zum ersten Mal in der Himalaya-Region und wieso sind sie immer wieder zurückgekehrt? Was verbindet Sie mit der Region?

Es braucht zwei Zutaten, mehr nicht: Ich liebe die Berge, ich liebe den Himalaya und seine Menschen. Und ich laufe gern und lang, also bevorzugt als Trailrunner in den Alpen. Damit steht die Kombination. Es ist doch großartig, wenn man zwei Vorlieben in einem Projekt verbinden kann. Ein Jahr Planung war dem Start vorausgegangen. Aber ich muss auch sagen: Wenn man dann wirklich den ersten Schritt macht, ist der Respekt enorm. Es geht wohl nur, wenn man nicht zu viel überlegt, sondern einfach dem Motto folgt: Mach es!

 

Herr Hinze, mit über 1800km und 95K Höhenmetern ist der Great Himalaya Trail der längste und wahrscheinlich anstrengendste Trail der Welt. Weniger als 100 Menschen haben diese Strecke bisher komplett absolviert. Sie sind sie in 87 Tagen gelaufen – wie kommt man auf so ein Vorhaben?

Ich kam im Jahr 1982 das erste Mal in den Himalaya. Eher durch Zufall, denn aufgrund eines Behördenfehlers in China erhielt ich das Visum für das damals noch für Ausländer gesperrte Tibet. Und dann reiste ich 3000 Kilometer per Anhalter über das Dach der Welt. Inzwischen blicke ich auf mehr als zwanzig Himalaya-Reisen zurück, vor allem nach Nepal, aber auch immer wieder nach Tibet, Indien und nach Bhutan.

 

Auf dem Trail waren Sie nicht allein unterwegs. Wer hat Sie begleitet?

Wir waren ein Team. Ich war immer mit drei Sherpas unterwegs. Aus unterschiedlichen Gründen: Wir hatten viel Ausrüstung dabei, die Sherpas trugen jeweils bis maximal 15 Kilo. Normalerweise tragen sie mehr, aber mein Motto lautete: Weniger Gepäck, weniger Belastung für die Sherpas, und dafür lieber einen Sherpas mehr im Team. Zudem kennen die Sherpas ihre Heimat, sie waren entscheidend für eine gute Orientierung. Doch es gilt: Abseits der Heimat, ist auch der Sherpa ein Fremder. Wir haben uns immer mal wieder verlaufen. Ähnlich war es mit der Verständigung. In Nepal werden über 120 Dialekte gesprochen. In vielen Regionen konnten sich auch die Sherpas nur schwer verständigen. Solche kleinen Unwägbarkeiten muss man akzeptieren, denn das Positive überwiegt: Es ist einfach ein Genuss ein solches Abenteuer als Team zu bewältigen. Und abends ist es schön, beim Bier nicht allein zu sitzen. Ein Begleiter war von Anfang bis Ende mit mir unterwegs: Dafuri Sherpa. Und was hat er mit seinem Gehalt gemacht? Eine Ausbildung als Expeditionsbegleiter. Am 20. Mai stand er tatsächlich auf dem Gipfel des Mount Everest. Das ist großartig!

 

Während ihres Laufs am Trail ging es nicht immer reibungslos zu und die Bedingungen sind oft erschwert. Welchen Schwierigkeiten und Herausforderungen waren Sie mitunter ausgesetzt? Haben Sie auch mal ans Aufgeben gedacht?

Aufgeben war keine Option. Wir wollten schnell unterwegs sein, denn unsere Idee war ein Traillauf und keine Wanderung. Ein Trailtag entsprach gut zwei Wandertagen, oder wie man in Nepal sagen würde Trekking-Tagen. Wir sind also fast täglich rund 30 Kilometer gelaufen und waren meist zwischen 8 bis 11 Stunden unterwegs. Das mag langsam klingen, doch zumeist mussten wir in Höhen über 4 000 Meter laufen. An einem Tag standen gar drei Pässe über 5 000 Meter an.

Der gefährlichste Moment, in dem es wirklich eng wurde, ereignete sich leider genau am höchsten Punkt der mehr als 1800 Kilometer langen Strecke: auf dem Tashi Labsta-Pass überraschte uns ein plötzlicher Schneesturm. Wir mussten umkehren und einen Umweg von über 100 Kilometern in Kauf nehmen. Ach ja, und dann gab es später in einem sehr einsamen Dorf nochmals Ärger mit einem kommunistischen

Politiker. Aber da sind ein paar Einheimische als Schlichter dazwischen gegangen…

 

Welche Begegnung oder welcher Moment auf Ihrer Tour ist Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben und hat sie besonders berührt? Und warum?

Es sind die Begegnungen mit Menschen, die am Great Himalaya Trail leben und dort ein oftmals extrem entbehrungsreiches Dasein erdulden. Ein Jesuitenpater, ein Yakhirte, ein Mönch, ein Ice-Doctor, der am Mount Everest schuftet. Diese Menschen haben eine Geschichte zu erzählen. Manchmal dachte ich mir: Das wäre mal eine gute Therapie für so manche Helikopter-Eltern, die würden staunen, mit wie wenig Dingen Kinder glücklich und selbständig zufrieden sein können.

Wenn man den letzten Pass überquert und sich plötzlich klar wird, dass man eine Strecke von 1863 Kilometer gesund und unverletzt überstanden hat, dann können einem schon mal die Tränen kommen. Vorstellen kann man es sich trotzdem kaum: ein Lauf von Hamburg nach Neapel, dabei noch über 40mal auf die Zugspitze und wie lautet die Gesundheitsbilanz: nicht eine Blase. Wahnsinn!

 

Welche Botschaft haben Sie von den Menschen vor Ort mitgenommen?

Der Mensch kann mit ziemlich wenig doch ziemlich zufrieden sein.

 

Was ist Ihr Resumee nach dieser Erfahrung und Ihrer/n Reise/n?

Demut vor dem Leben.

 

Sie unterstützen die Menschen in Nepal auch mit Charity-Projekten. Wie genau sieht diese Hilfe aus?

Als Familie haben wir den Neubau einer Schule im Langtang-Gebiet nach dem Erdbeben 2015 finanziert. Bildung fehlt eigentlich in allen ländlichen Regionen Nepals und Schulen werden dringend benötigt. Zudem habe ich mit der „Munich Show Charity“ Trailrunner unterstützt. Mit einer eigentlich ganz einfachen Idee: gebrauchte, aber noch gut zu gebrauchende Laufschuhe nach Nepal bringen. Firmen wie Adidas, Icebug, Viking und Inov-8 haben großartige Unterstützung angeboten. Während des Great Himalaya Trail ist mir zudem klar geworden: dringende Hilfe benötigt die Region Dolpo, die selbst für nepalesische Verhältnisse sehr abgelegen und extrem unterentwickelt ist. Hier bemühe ich mich um den Bau von Mikro-Gewächshäusern, denn aktuell können nur knapp 30% der benötigten Lebensmittel von den Bauern im Dolpo selbst produziert werden. Und ich kümmere mich um eine junge Dolpina, die im Alter von zwei Jahren schwere Verbrennungen erlitt – und jetzt einen Traum hat: Sie möchte eine Ausbildung zur Physiotherapeutin machen. Damit wäre sie die erste Frau überhaupt in der Region, die jemals diesen Beruf erlernt hätte. Ach, was sage ich: Noch nie hat irgendjemand vom Beruf des Physiotherapeuten in Dolpo überhaupt geträumt.

 

München im Juni 2018